Märchen und Erzählungen aus aller Welt
Frau Perchta
Eine Sage aus Tirol

In Tirol erzählt man sich viele Geschichten über die Perchta. Diese geheimnisvolle Frau nimmt sich der Seelen der kleinen Kinder an, die sterben mussten. Diese Kinder sind bei der Frau Perchta in der Unterwelt gut aufgehoben. Am Vorabend des Dreikönigstages – dem Gömachabend – führt Frau Perchta die Kleinen an die Oberwelt. Da ist es in vielen Tiroler Orten Brauch, in dieser Nacht auf dem Tisch in der Stube etwas zum Essen herzurichten. Vielleicht kommt die Perchta mit ihrem Kinderzug vorbei und will sich und die Kinder stärken.

Einmal ist ein Bauer aus Oberau auf dem Heimweg der Frau Perchta begegnet, wie sie gerade mit ihrer Schar kleiner Kinder des Weges kam. Am Ende des Zuges lief ein kleiner Bub. Der hatte ein so langes Hemdchen an, dass er immer wieder darauftrat. Dem Bauern tat das Büblein Leid. Er nahm eine Schnur und band ihm das Hemdchen hinauf. Die Frau Perchta dankte es ihm und versprach ihm ein glückliches Leben. In Osttirol hatte ein anderer Bauer nicht so viel Glück. Als er in der Dreikönigsnacht über die Virgener Brücke gehen wollte, hörte er auf einmal unheimliche Stimmen. „Wenn das nur nicht die Wilde Jagd ist“, sagte er zu sich und versteckte sich schnell unter der Brücke. Aber es war nicht die Wilde Jagd. Es war Frau Perchta mit den kleinen Kindern. Sie trippelten über die Brücke. Da blieb die Perchta stehen und meinte: „Wartet ein bissel, da unten ist ein Stock, in den muss ich mein Hackl hauen.“ Sie stieg unter die Brücke, trat vor den Bauern und schlug ihm ein kleines Beil in das Knie. Als der Kinderzug verschwunden war, schleppte sich der Bauer nach Hause. Aber kein Arzt konnte ihm das Beil aus dem Knie entfernen. Es blieb darin stecken.

Im nächsten Jahr, in der Dreikönigsnacht, versteckte er sich wieder unter der Virgener Brücke. Richtig, da kam die Frau Perchta und sagte zu den Kindern: „Voriges Jahr hab ich da unter der Bruggen mein Hackl in den Stock gehauen. Jetzt muss ich es wieder mitnehmen.“ Die Perchta zog dem Bauern das Beil aus dem Knie. Die Wunde schloss sich im selben Augenblick und der Bauer kehrte gesund heim.

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