Der König hatte aber einen Löwen, dem war nichts verborgen, und er wußte Alles, was heimlich am Hofe geschah. Der sagte eines Abends zu ihm: “du glaubst, du hättest da zwölf Jäger, das sind aber lauter Mädchen.“ Der König wollte es nicht glauben, da sagte der Löwe weiter: “laß nur einmal Erbsen in dein Vorzimmer streuen, Männer, die haben einen festen Tritt, wenn die darüber hingehen, regt sich keine, Mädchen aber die trippeln und schlurfen, und die Erbsen rollen unter ihren Füßen.“ Dem König gefiel das wohl. Es war aber ein Diener des Königs, der liebte die Jäger und hatte das mit angehört, da lief er zu ihnen und sagte: der Löwe hält euch für Mädchen, und will Erbsen streuen lassen und euch damit probiren; die Prinzessin befahl darauf ihren elf Jungfrauen, sie sollten sich alle Gewalt anthun, und fest auf die Erbsen treten. Als nun am Morgen die Erbsen gestreut waren, ließ der König die zwölf Jäger kommen, sie hatten aber einen so sichern und starken Gang, daß sich auch nicht eine Erbse bewegte. Am Abend machte der König dem Löwen Vorwürfe, daß er ihn belogen, da sagte der Löwe: “sie haben sich verstellt, laß aber nur zwölf Spinnräder in das Vorzimmer stellen, da werden sie sich drüber freuen, und das thut kein Mann.“ Der König folgte dem Löwen noch einmal, und ließ die Spinnräder hinstellen. Der Diener aber hatte den Jägern den Anschlag verraten, da befahl die Prinzessin ihren elf Jungfrauen die Spinnräder nicht einmal anzusehen. So taten sie auch, und der König wollte dem Löwen nicht mehr glauben. Er gewann die Jäger immer lieber, und wenn er auf die Jagd ritt, mußten sie ihm folgen. Wie sie einmal mit ihm im Wald waren, kam die Nachricht, die Braut des Prinzen sei im Anzug, und werde bald da seyn; wie das die rechte Braut hörte fiel sie in Ohnmacht. Der König meinte, seinem lieben Jäger sei etwas zugestoßen, lief herzu und wollte ihm helfen, er zog ihm aber auch die Handschuh aus, da erblickte er den Ring, den er seiner ersten Braut gegeben, und als er dann noch das Bildnis an ihrem Hals sah, erkannte er sie, und ließ gleich der andern Braut sagen, sie möge in ihr Reich zurückkehren, er habe schon eine Gemahlin, und wenn man einen alten Schlüssel wieder gefunden, brauche man den neuen nicht. Da ward die Hochzeit gefeiert, und der Löwe hatte nicht gelogen, und kam wieder in Gnade bei dem König.