Nun waren etliche Jahre herum, als der Herr König einmal auf die Parade zog, da trug es sich zu, daß Bauern mit ihren Wagen vor dem Schloß hielten, die hatten Holz verkauft, etliche mit Ochsen und etliche mit Pferden. Da war ein Bauer, der hatte drei Pferde, davon kriegte eins ein junges Füllchen, das lief weg und legte sich an einen Wagen, wo zwei Ochsen davor waren, mittendrein. Als nun die Bauern zusammen kamen, fingen sie an sich zu zanken, schmeißen und lärmen und der Ochsenbauer wollte das Füllchen behalten und sagte, die Ochsen hätten's gehabt, und der andere sagte, nein, seine Pferde hätten's gehabt und es wär' sein. Der Zank kam vor den König und der tat den Ausspruch: wo das Füllen gelegen hätte, da sollt' es bleiben und also bekam's der Ochsenbauer, dem's doch nicht gehörte. Da ging der andere weg, weinte und lamentierte über sein Füllchen; nun so hatte er gehört, wie daß die Frau Königin so gnädig sei, weil sie auch von armen Bauersleuten gekommen wäre, ging zu ihr und bat sie, ob sie ihm nicht helfen könnte, daß er sein Füllchen wieder bekäme. Sagte sie, “Ja,“ wenn ihr mir versprecht, daß ihr mich nicht verraten wollt', will ich's euch sagen: morgen früh, wenn der König auf der Wachtparade ist, so stellt euch hin mitten in die Straße, wo er vorbeikommen muß, nehmt ein großes Fischgarn und tut als fischtet ihr, und fischt also fort und schüttet es aus, als wenn ihr's voll hättet, und sagte ihm auch, was er antworten sollte, wenn er vom König gefragt würde. Also stand der Bauer am andern Tag da, und fischte auf einem trockenen Platz; wie der König vorbeikam und das sah, schickte er seinen Laufer hin, der sollte fragen, was der närrische Mann vorhabe. Da gab er zur Antwort: “Ich fische.“ Fragte der Laufer, wie er fischen könnte, es wär' ja kein Wasser da. Sagte der Bauer: “so gut als zwei Ochsen können ein Füllen kriegen, so gut kann ich auch auf dem trockenen Platz fischen.“ Da ging der Laufer hin und brachte dem König die Antwort, da ließ er den Bauer vor sich kommen und sagte ihm, das hätte er nicht von sich, von wem er das hätte? und sollt's gleich bekennen. Der Bauer aber wollt's nicht tun und sagte immer, Gottbewahr! er hätt' es von sich. Sie banden ihn aber auf ein Gebund Stroh und schlugen und drangsalten ihn so lange, bis er's bekannte, daß er's von der Frau Königin hätte. Als der König nach Haus kam, sagte er zu seiner Frau: “warum bist du so falsch mit mir, ich will dich nicht mehr zur Gemahlin, deine Zeit ist rum, geh wieder hin, woher du kommen bist in dein Bauernhäuschen.“ Doch erlaubte er ihr eins: sie sollte sich das Liebste und Beste mitnehmen, was sie wüßte und das sollte ihr Abschied sein. Sie sagte, “Ja, lieber Mann, wenn du's so befiehlst, will ich es auch tun,“ und fiel über ihn her und küßte ihn und sprach, sie wollte Abschied von ihm nehmen. Dann ließ sie einen starken Schlaftrunk kommen, Abschied mit ihm zu trinken, der König that einen großen Zug, sie aber trank nur ein wenig, da geriet er bald in einen tiefen Schlaf. Und als sie das sah, rief sie einen Bedienten und nahm ein schönes weißes Leinentuch und schlug ihn da hinein, und die Bedienten mußten ihn in einen Wagen vor der Türe tragen und fuhr sie ihn heim in ihr Häuschen. Da legte sie ihn auf ihr Bettchen, und er schlief Tag und Nacht in einem fort und als er aufwachte, sah er sich um und sagte: “Ach Gott! wo bin ich denn?“ rief seinen Bedienten, aber es war keiner da. Endlich kam seine Frau vor's Bett und sagte: “Lieber Herr König, ihr habt mir befohlen, ich sollte das Liebste und Beste aus dem Schloß mitnehmen, nun hab' ich nichts besseres und lieberes als dich, da hab' ich dich mitgenommen.“ Der König sagte: “Liebe Frau, du sollst mein seyn und ich dein,“ und nahm sie wieder mit ins königliche Schloß und ließ sich auf's neue mit ihr vermählen und werden sie ja wohl noch auf heutigen Tag leben.